Welcher Raffael?

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Kennst Du Raffael?

Ja, Raffael. Den Raffael.

Genau, diesen Raffael. Der grossartigste Maler aller Zeiten. Derjenige, der Anfang des 16. Jahrhunderts den Vatikanpalast mit seinen Wandgemälden verzierte. Der Urheber der Meisterwerke Sixtinische Madonna und Schule von Athen. Dieser, der im Pantheon in Rom begraben liegt.

Wie gut er wirklich war? Sehr gut. So gut, dass man ihn nur noch unter seinem Vornamen kennt. Sein vollständiger Name lautete Raffaello Sanzio da Urbino. Doch niemand braucht sich seinen Nachnamen zu merken. Wenn wir von Raffael sprechen, dann weiss jeder, wer damit gemeint ist.

Raffael ist das Paradebeispiel des “Winner-Take-All”-Prinzips: Der Beste seiner Kategorie erhält einen unproportional grossen Anteil der verfügbaren Anerkennung, des möglichen Profits oder Marktes. Raffael ist nicht der einzige Raffael. Und er ist garantiert nicht der einzige gute Raffael. Er war lediglich glücklich, begabt oder rechtzeitig genug, auf dem ersten Platz der Rangliste zu landen. Bereits der zweitbeste Raffael muss sich deshalb seines Nachnamens bedienen. 

Wir werden niemals der Raffael sein. Dazu müssten wir Raffael übertreffen und dieser hat 500 Jahre Bekanntheit und (vermutlich) einen Haufen Talent Vorsprung. Und auch beinahe so gut zu sein reicht nicht aus. 

Aber in einer anderen Kategorie “Raffael zu sein” – mit vielleicht einem anderen Namen –, das sollte möglich sein.

((Portrait Raffael))

Aussschnitt aus Raffaels Selbstportrait (ca. 1506)


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