6 (arbiträre) Gründe, seinen Zweitnamen zu verwenden

Geschriebenes

Ob ausgeschrieben wie  bei Ruth Bader Ginsberg und Wolfgang Amadeus Mozart oder abgekürzt im Stil von George W. Bush und C.G. Jung, als Vor-, Nach- und Zwischenname, über lange, kompakte unaussprechliche und gewöhnlichste Namen – es existiert ein bunte Palette, um den eigenen Ruf- und Familiennamen aufzupeppen. Es scheint deshalb verwunderlich, dass übermäßig mehr Zweitnamen existieren, als man tagsüber hören und sehen kann.

Diese kleine Sammlung an sechs Gründen soll aufzeigen, weshalb man den eigenen Zweitnamen (bzw. Dritt- und Viertnamen) nicht unter den Teppich kehren sollte, sondern mit Stolz auf der Brust tragen könnte.


1.
Als Alleinstellungsmerkmal

Es gibt einen Raffael, eine Victoria und einen Adolf. Besitzt man einen gleichen oder ähnlichen Namen, hat man deshalb – nun ja – schlechte Karten gezogen. Es bleiben einem prinzipiell zwei Möglichkeiten offen: entweder man übertrifft seine*n berühmte*n Namensvetter*in und schreibt Geschichte oder man weicht auf eine alternative Namenskombination aus.

Genauso schwierig wie aus einem großen Schatten hervorzutreten ist übrigens, aus einer – in Namensbelangen – homogenen Masse herauszustechen. Es tut mir also leid, liebe Sandra Kellers und Daniel Meiers hier in der Schweiz, euch bleibt leider nichts anderes übrig, als kreativ zu werden.


2.
Für den Hauch an Bourgeoisie

Was klingt kaiserlicher, “Wilhelm II.” oder “Friedrich Wilhelm Viktor Albert”? Bei “Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff” ist eine lyrische Übermacht quasi in den Namen eingeschrieben, beinahe etwas too much (vielleicht kenn man ihn deshalb nur unter einem abgekürzten Namen). Auch der Name “Anna Pavlovna Pavlova” tönt nicht nur nach einer Prima-, sondern einer Primaprimaballerina.

Andere tragen ihre Zweitnamen wie ein Ehrenabzeichen. Es scheint deshalb nicht verwunderlich, dass sich J.R.R. Tolkien und George R.R. Martin mit dem R.R. für Romancier Représentatif (oder Rassige Rittergeschichten?) den ersten Platz für Fantasy-Literatur streitig machen.


3.
Der Bedeutung wegen

Nach der Folge 984 von One Piece hat man immer noch keinen blassen Schimmer, was es mit dem mysteriösen Initial von Monkey D. Ruffy oder Gol D. Roger auf sich hat. Dass es eine Bedeutung transportiert, ist offensichtlich, aber – verdammt, ich will es endlich wissen!

Zum Glück ist in anderen Fällen der Bezug offensichtlich. So lässt sich z.B. leicht nachverfolgen, wem E.T.A. Hoffmann mit der der Änderung seines dritten Namens von “Wilhelm” zu “Amadeus” Respekt zollen wollte.


4.
Klangmelodie ist auch ein Thema

Der Name “Rainer Maria Rilke” ist an sich bereits ein Gedicht. Nur war das nicht immer so. Erst auf Anraten von Lou (Andreas-)Salomé wechselte René Maria Rilke (eigentlich: René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) seinen Namen. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte. (Dass René nach seiner älteren, verstorbenen Schwester benannt wurde, lassen wir für diese Betrachtung außen vor.)


5.
Die Initialen zählen

Wie oft habe ich schon mit meinen eigenen Initialen “F.V.” gekämpft! Auch wenn ich die Buchstaben graphisch interessant finde und mir der phonetische Funkensprung zusagt, ist diese spezifische Kombination durch ihre lautliche Ähnlichkeit einfach zu anstrengend.

Baue ich hingegen meinen Zweitnamen mit ein, transformieren sich die Initialen in “F.A.V.”. Neben dem klareren Erscheinungsbild und der besseren Lesbarkeit, stellt die Buchstabenfolge eine Abkürzung dar, die ich mit einem Augenzwinkern vereinnahme. (Nein, ich meine nicht Fabrikarbeiterverband, Förderung von Arbeiterverhältnissen oder Fränkischer Albverein, sondern die Kurzform des englischen favorite.)


6.
Bei besetzten Profilnamen

Ein nächster, pragmatischer Grund ist der Mangel an einzigartigen Profilnamen. Es ist beinahe unterhaltsam, wie auf Instagram plötzlich die Zweitnamen von Bekannten zutage kommen. Gerade weil ein solche Plattform, die soziale Angleichung befeuert, in diesem Bereich die Individualität seiner Nutzer*innen aufrechterhalten möchte.


Selbstverständlich ließen sich mindestens 7 Gründe aufzählen, seinen Zweitnamen nicht zu verwenden. Aber das ist Thema für ein andermal.


Bild: Ausschnitt aus Balearica regulorum: grey crowned crane (1777–1786) von Robert Jacob Gordon – Quelle.