Pharmaka

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Ein Tropfen beruhigt den Magen. 

Drei Tropfen verursachen Übelkeit. 

Zehn Tropfen und man kotzt sich die Eingeweide aus.

Das ist ein Pharmakon (griechisch φάρμακον): Bei richtiger Dosierung Medizin. Falsch dosiert, und es wird zu einem Gift.

Niemand würde in der Apotheke blind ein Medikament öffnen und sich den Inhalt in die Kehle schütten. Genauso würde sich keiner in der Drogerie einen Cocktail aus Tinkturen, Säften und Pulvern andrehen lassen, ohne zu wissen, welche Zutaten drin sind und was sie bewirken.

Und trotzdem stecken wir uns heute Pillen in den Mund, nur weil sie ein wenig nach Zucker schmecken. Wir konsumieren Pharmaka nicht nach Wirkung, sondern nach Farbe. Ich meine nicht Schlangengift oder Mohnblumensaft. Es ist auch nicht von Aspirin oder Ibuprofen die Rede, sondern in vielerlei Hinsicht etwas viel Gefährlicheres.

Gut, vielleicht sind Medien und Technologie nicht wirklich Pharmaka im traditionellen Sinne. Ihre Wirkung ist aber auf jeden Fall eine pharmazeutische: Bei adäquater Nutzung sind sie ein Segen, falsch angewendet ein Fluch.

Allerdings sind die Konsequenzen einer Überdosis wie die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne, die Erhöhung des Stresslevels oder die Abnahme von Toleranz nicht unmittelbar wahrnehmbar. Die Reaktion lässt auf sich warten. Doch wie bei radioaktiver Strahlung machen sich mit der Zeit Geschwüre und Verformungen bemerkbar.

Um die Dosierung dieser Pharmaka kennenzulernen, muss man sich zuerst mit ihren Chancen und Risiken auseinandersetzten. Man muss um die Wirkung des Konsums wissen. Kurz- und Langfristig. Physisch und psychisch. Konkret und latent.

Wir haben die Ausbildung zum Apotheker oder zur Drogistin bitter nötig.


Bild: Rash of pustules on the hand of a patient, probably suffering from smallpox. Watercolour by R. Carswell, 1831.. Credit: Wellcome Collection. (CC BY)