Kōan (公案)

Geschriebenes
Bild: Eadweard Muybridge - Athletes. Walking High Leap

Welches Geräusch macht eine klatschende Hand?

Es ist sinnlos, diese Frage mit dem Mund zu beantworten. Keine Äusserung, kein Satz und kein Wort ist eine angemessene Wiedergabe davon, wie eine klatschende Hand klingt. Man gibt Antwort, indem man die Handflächen zusammenschlägt.

Ein Kōan ist im Zen Buddhismus eine Aufgabenstellung, die auf den ersten Blick ziemlich paradox scheint. Paradox deshalb, weil sie nicht in das Schema der gewohnten Frage passt. Anders als im Klassenzimmer kann man nicht seine Hand erheben und der Lehrerin die Antwort entgegnen. Denn egal, was man sagt, es ist ziemlich sicher falsch.

Für einen Kōan gibt es keine rationale Lösung. Ein Kōan soll eine Auseinandersetzung mit der Frage lostreten. Er soll den Gefragten nachdenken, reflektieren, erforschen lassen. Der Kōan möchte keine richtige Antwort, sondern die richtigen Fragen provozieren.

Der Beweis der Kenntnis einer Antwort soll sich in einer bestimmten Haltung gegenüber der Fragestellung widerspiegeln. Wissen soll nicht abgerufen, sondern vorgelebt werden.


Bild : Eadweard Muybridge – Athletes. Walking High Leap (Quelle)