Gedankenexperiment

Geschriebenes

Ein Gedankenexperiment funktioniert immer nach dem selben Schema:

  1. Man stelle sich vor, dass …
  2. In der Wirklichkeit ist es doch so, dass …
  3. … was im Hypothetischen gilt, das gilt doch auch im Wirklichen!

Das Gedankenexperiment soll durch einen Zusammenhang zwischen Vorstellung und Wirklichkeit eine Beweiskraft ausüben. Das Problem daran ist, dass dieser Zusammenhang meist nebulös bleibt.

Ein Experiment beschreibt im wissenschaftlichen Sinne eine Versuchsanordnung, die mithilfe einer Vereinfachung der Realität etwas zeigen/erklären soll. Ein Gedankenexperiment fügt sich ins gleiche Paradigma ein. Es ist allerdings keine Vereinfachung der Realität – und das ist die Schwierigkeit daran –, weil man sich in einem Gedankenexperiment etwas vorstellt, das nicht der Realität entspricht.

Was bleibt also übrig? Ein Gedankenexperiment ist ein intellektuelles Werkzeug, das trotz seines Fassungsvermögens, seiner Bildlichkeit und Anwendbarkeit irgendwie in der Schwebe bleibt. Hypothetische Szenarien können dabei helfen, den Status quo zu hinterfragen und die Neuronen zu befeuern, doch sie bleiben schliesslich flüchtig, weil sie keinen festen Grund haben und sich an nichts Konkretem festmachen lassen.

Und trotzdem ist das Gedankenexperiment oft das beste Werkzeug, dass uns zur Verfügung steht.


清 佚名 台南地區荷蘭城堡 (ca. 1900) von einem unbekanten Künstler – Quelle.