Im engeren Sinne

Geschriebenes

Nach Aristoteles’ Politik wohnt dem Menschen ein natürlicher Wille zur Staatenbildung inne, da in der politischen Gemeinschaft (pólis) das Ideal des “guten Lebens” verwirklicht werden kann. Die Definition des Menschen als politisches Wesen (zoon politikon) ist prinzipiell ein interessanter Diskussionspunkt – unter der Voraussetzung, man ist sich bewusst, was bei Aristoteles mit ‘Mensch’ gemeint ist.

Frauen gehörten nach Aristoteles lediglich der primitiveren Gemeinschaft des Haushalts an und hatten dem Hausherr (despotes) Folge zu leisten. Von Kindern war ebenfalls nicht die Rede, da die politische Teilhabe einen gewissen Reifegrad voraussetzte. Ausgeschlossen waren selbstverständlich alle Sklaven, die sich von Natur aus von den zur Freiheit geborenen Menschen unterschieden. Und dann waren da noch alle Barbaren und Banausen, die sich ohne griechische Wurzeln oder aufgrund ihrer niederen Arbeit nicht als ebenbürtige Bürger ausweisen konnten.

Wird klar, dass die Auseinandersetzung mit der Natur des Menschen bei Aristoteles im engeren Sinne eine Untersuchung des privilegierten, einheimischen Staatsmannes darstellt, darf man sich neu überlegen, ob und wie darüber diskutiert werden soll.


Bild: Gentleman fashion from Cook’s Handbook For London. With Two Maps, Guide Books (1898) publiziert von Thos. Cook & Son – Quelle.