Gemeinsames Wissen
GeschriebenesDamit Wissen für Personengruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und verschiedenen Anwendungszwecken nutzbar wird, braucht es Standards. Bei Standards handelt es sich nach Bowker/Star um «agreed-upon rules for the production of (textual or material) objects». Diese gemeinsamen Regeln überbrücken Unterschiede in Wissensständen und Agenden und erlauben die Zusammenarbeit disparater gesellschaftlicher Akteure.
Standards übernehmen somit die Funktion von Grenzobjekten: Sie sind flexibel genug, um sich den spezifischen Anforderungen verschiedener Nutzer:innengruppen anzupassen. Gleichzeitig sind Standards aber stabil genug, um über die unterschiedlichen Kontexte hinweg eine gemeinsame Identität zu bewahren.
Als gemeinsames Werkzeug können Standards innerhalb der jeweiligen sozialen Welten unterschiedliche epistemologische und praxeologische Funktionen erfüllen. Wie das funktionieren kann, illustriert Busch in Standards am Beispiel des Cholesterol-Standards:
«The scientist doing research on cholesterol, the medical technician who administers the blood test, and the person whose blood is drawn need not agree on the meaning of the cholesterol standard; they need only agree on the practices that bring it into use.»
Literatur:
Bowker, G. C. & Star, S. L.: Sorting Things Out: Classification and Its Consequences. Massa- chusetts 2000, S. 13.
Busch, Lawrence: Standards: Recipes for Reality. Cambridge 2011, S. 25-26.