Der Mann im Sand

Er steckt fest. Bis zum Hals.

Wie lange schon, das weiss niemand so genau.

Salzpfropfen verstopfen seine Nasenlöcher.

Im linken Ohr lebt ein kleiner Krebs.

Seine Freunde, die ihn eingruben, sind vor langer Zeit gestorben.

An das Gefühl in den Fingern kann er sich nicht mehr erinnern.

Er spürt das Salzwasser auf der Zunge.

Die Gischt brennt in seinen Augen.

Im Mosaik des Wassers spiegelt sich die Abendsonne.

Der Mann im Sand lächelt.

Es küsst die weissen Schaumkronen

und macht Liebe mit dem Meer.

Idee vs. Umsetzung

Der französische Maler Edgar Degas (1834-1917) war ein grosser Bewunderer seines Zeitgenossen, dem Schriftsteller und Poeten Mallarmé. In einem Gespräch meinte Degas, er würde liebend gern Gedichte schreiben. Ideen habe er zuhauf, doch irgendwie würde er diese einfach nicht aufs Papier bringen (Ce ne sont pas les idées qui me manquent… J’en ai trop). «Aber Degas», antwortete Mallarmé, «Gedichte werden nun mal nicht mit Ideen, sondern mit Worten geschrieben.» (Mais, Degas, ce n’est point avec des idées que l’on fait des vers. . . . C’est avec des mots.) 

Selbst die grossartigsten Ideen funktionieren niemals als Gedichte, solange nicht auch die Worte stimmen. Genauso ist selbst eine Statue der edelsten Figur ein Versagen, wenn der Marmor unter dem Meissel des Bildhauers zerbricht.

Die Idee ist das eine, die Umsetzung das andere.


Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem monatlichen Newsletter von Denkbrocken. Hier kannst Du dich in die Liste eintragen!

5 ½ Quellen für lizenzfreie Illustrationen (Creative Commons)

Inhalt wird in Artikeln wie diesem primär durch Text vermittelt. Text ist toll. Wir können Sprache so anwenden, wie wir möchten, um das auszudrücken, was wir beabsichtigen. Praktisch. Einfach. Konkret.

Doch Text ist anstrengend für das Auge. Besonders im Netz, wo sich alles bewegt, verändert und verschiebt. Eine Seite Fliesstext in einem Buch ist nicht vergleichbar mit einer Seite Fliesstext im Internet. Denn bevor sich das Auge im Text zurechtfindet, hat es auch schon wieder seinen Orientierungspunkt verloren. Ein feiner Scroll und schon sucht man eine gefühlte halbe Stunde nach dem Wort, das man zuletzt gelesen hat. (So geht es mir zumindest.)

Wie kann man dem entgegenwirken. Zum einen mit der Formatierung: Titel. Kürzere Abschnitte. Gliederungselemente. Zum anderen mit Bildmaterial. Gerade wenn der Text ein wenig länger wird, so ist ein visuelle(re)s Kommunikationsformat eine willkommene Entspannung fürs Auge.

Was Illustrationen im Gegensatz zur Formatierung leisten können, ist, dass sie den Text nicht nur gliedern, sondern unterstützen können. Was im Text gesagt wird, kann durch ein Bild auf eine ganz andere Weise einen anderen Teil unseres Gehirns stimulieren und so das Erlebnis intensivieren. Ein Bild kann aber auch einen bestimmten Aspekt besonders hervorheben oder eine ganz neue Facette der Message aufzeigen.

Illustrationen haben aber einen Haken. Sie werden von jemandem gemacht. Und dieser jemand hat in der Regel gewisse Eigentumsrechte. Zum Glück ist das Internet ein so grosser Teich, dass sich auch Macher finden lassen, die auf ihre Rechte verzichten und ihre Arbeit dem Internet frei zur Verfügung stellen. Diese Arbeiten nennen sich Creative Commons, nach einer gemeinnützigen Organisation, die sich für schöpferisches Gemeingut einsetzen. Es gibt verschiedene Lizenzstufen der Creative Commons, die hier eingesehen werden können. Für diesen Artikel konzentriere ich mich auf Arbeiten mit einer PDM (Public Domain Mark), die frei von allen bekannten Urheberrechten sind.

Die bekannteste und meistverwendete Form sind lizenzfreie Stockfotos. Plattformen wie unsplash.com oder pixabay.com bieten Millionen von frei verfügbaren Fotografien, die von grosszügigen Künstlern mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Viele Fotos sind Kunstwerke, keine Frage. Doch irgendwie fehlt mir der Charakter in Stockfotos. Oft wirken die Bilder auf mich billig, zu generisch oder zu arty. Ich finde es unglaublich schwierig, die richtige Balance zu finden. Deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Was ist die Alternative? Hmm… Nicht einfach zu beantworten. Aber ich für meinen Part stöbere lieber ein wenig in der Geschichte und wühle in Gezeichnetem und Gemaltem, in Historischem und Geschichtlichem, in Ikonographischem und Symbolischem, in Abstraktem und Karikiertem.

Im Internet gibt es alles. Und man findet auch alles, wenn man nur weiss, wie suchen. Ich hoffe, dass dieser Artikel Aufschluss darüber gibt, wo ich nach Illustrationen für meine Texte suche und fündig werde. Es folgen 5 ½ meiner liebsten Go-to-Places. Ich wünsche viel Spass und Inspiration!


1. The Public Domain Review

Foto: Homepage von The Public Domain Review

Eine Seite ist wirklich gut, wenn das einzige, was man daran aussetzen kann, ihr Umfang ist. The Public Domain Review ist eine Online-Zeitschrift, welche sich zum Ziel gesetzt hat, die interessantesten lizenzfreien Kunstwerke der Geschichte auszugraben. Mit interessant meine ich nicht nur das Schönste, sondern auch das Schrägste, das Bunteste, das Eindrücklichste, das Einzigartigste. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um eine der spassigsten und best-kuratierten kreativen Spielplätze im Internet.

Diese französische Vision des Jahres 2000 aus dem 19. Jahrhundert, dieser Trainings-Guide für Business Men von 1917 oder diese synoptische Tabelle der physiognomischen Merkmale von Alphonse Bertillon von 1909 sind nur einige Highlights von vielen!


2. Rawpixel

Foto: Homepage Rawpixel

Das Pendant zu The Public Domain Review ist Rawpixel. Neben einer umfangreichen Bibliothek an Bildern und Vektor-Grafiken für Members hat Rawpixel eine fantastische Bibliothek an ausgewählten, lizenzfreien Werken aus verschiedenen Jahrhunderten. Alle Werke sind digital aufbereitet (!), haarscharf und liessen sich problemlos grossformatig ausdrucken. Ich habe vermutlich jedes einzelne verfügbare Bild auf meine Festplatte heruntergeladen – so gut gefällt mir die Auswahl!

Als Moodboard der Plattform und visuellen Einstieg in empfehle ich die atemberaubende Sammlung Public Domain Gems.


3. Flickr Commons

Foto: Homepage Flickr Commons

Flickr ist ein Phänomen. Es gab verschiedene Bild-Plattformen, die sozialer, schöner, praktischer waren. Und doch hat sich Flickr irgendwie behauptet. Behauptet und noch mehr. Es wird immer besser, sozialer, schöner, praktischer. Und Flickr ist mittlerweile eine meiner Lieblingsplattformen geworden.

Mit Flickr Commons eröffnet die Plattform den Zugang zu einem Universum an lizenzfreiem Bildmaterial. Die Liste an teilnehmenden Institutionen wird immer länger und umfasst bereits unzählige wichtige Museen, Archive oder Sammlungen, die ihr Bildmaterial digitalisierten und über Flickr der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ein Bilduniversum so gross, dass man in der Recherche schon fast systematisch vorgehen muss, um sich nicht zu verlieren.

Anstatt sich blind in die Bildfluten zu werfen, empfehle ich, sich an den Institutionen zu orientieren. The Birtish Library hat zum Beispiel grossartige thematische Fotoalben. Auch die umfassende Bildsammlung der NASA ist ein Tauchgang wert.

Wer Flickr Commons zu nutzen weiss, dem ist es eine beinahe unerschöpfliche Quelle. Ich bin aber selber noch in der Lernphase…


4. Archive.org

Foto: Homepage Archive.org

Wem Flickr noch zu wenig umfangreich ist, der sollte Archive.org eine Chance geben. Die Zahlen sprechen für sich: 20 Millionen Bücher, 5 Millionen Videos, 3.3 Millionen Bilder, 5.2 Millionen Audio-Dateien. Damit ist Archive.org eine der grössten Online-Bibliotheken für linzenzfreie Dateien.

Seiten wie The Public Domain Review oder Rawpixel beziehen ihre Dateien fast ausschliesslich aus dem bodenlosen Ozean an Material des Archives. Entsprechend schwierig ist es, durch Zufall das zu finden, was man sucht. Wenn man aber weiss, was man sucht, so wird man sicherlich fündig. Egal ob Roschers ersten Band des Ausführlichen Lexikons der griechischen und römischen Mythologie oder Ha Bun Shus japanisches Buch über das Design von Wellen. Alles.

Auch hier lege ich euch ans Herz, über die Sammlungen von Institutionen wie derjenigen des Metropolitan Museum of Art oder des Prelinger Archives nach Illustrationsmaterial zu suchen.


5. Wikimedia Commons

Foto. Homepage Wikimedia Commons

Wenn man die Tore für alle und jeden öffnet, dann nutzen oftmals jene diese Möglichkeit, die es vielleicht besser nicht tun sollten. Es gibt viel Müll auf dem Archiv von Wikimedia Commons. Sehr viel. Aber so viel Müll es auch gibt, so viele Schätze finden sich auch auf der Plattform.

Nach meinem besten Wissen sind alle Fotos aller 2’200’000 Artikel auf Wikipedia lizenzfrei. Und alle diese Bilder finden sich in der Datenbank der Wikimedia Commons. Eine gewaltige Sammlung. Sie wirkt in der Benutzung allerdings nicht so gewaltig, weil sie einen gelungenen Suchalgorithmus besitzt. Wenn man nach etwas sucht, dann findet man es. Findet man es nicht, dann gibt’s es nicht.

Ich nutze die Plattform, wenn ich zum Beispiel nach Werken von Künstlern suche. So sehe ich auf einen Blick, welche Gemälde von Piet Mondrian in welcher Qualität frei verfügbar sind und kann die entsprechenden Dateien mit einem Klick herunterladen.


5½. Stift und Papier (leider kein Link möglich)

Kein Scherz.

Die Recherche für passende Illustration ist zeitaufwändig und nicht immer befriedigend. Oft ist die schnellste aber auch passendste Option, selbst Hand anzulegen.

Ich liebe es zum Beispiel, schematische Darstellungen mit Filzstift aufs Papier zu bringen. Das Ganze kann gescannt und ggf. noch im Illustrator oder über die Web-App Autotracer nachgezeichnet (bzw. vektorisiert) werden.

Die Zeichnung muss kein Kunstwerk sein. Es reicht, wenn sie persönlich ist. Denn wenn du ein Text schreibst weisst du am besten, was du damit ausdrücken möchtest. Und diese Absicht musst du nur noch in eine kleine Zeichnung übersetzen. Versuch es!

Wer dazu in der Lage ist, der ist natürlich mit Gestaltungs- und Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop oder Illustrator gut bedient. Aber dem muss ich das wohl nicht sagen 🙂 Als günstigeren Einstieg kann ich das Programm Pixelmator für den Mac wärmstens empfehlen.


Drei abschliessende Bemerkungen:

1.
Auch wenn das Material, das du auf deiner Homepage verwendest, lizenzfrei ist, gib BITTE (falls möglich) die Quelle an. Nicht nur dem Werk und seinem Urheber, sondern auch dem Internet und all seinen Benutzern zuliebe. Wenn mir eine Illustration auf deiner Seite gefällt, würde ich liebend gern wissen, woher sie stammt. Umgekehrt sicherlich auch. Transparente Quellen schaffen ein digitales Ökosystem, von dem alle profitieren.

2.
Schau lieber einmal zu viel nach, ob du das Material, das du verwenden möchtest, auch wirklich verwenden kannst. In diesem Fall gilt: better safe than sorry.

3.
Erstell einen Ordner, wo du lizenzfreies Illustrationsmaterial sammelst. So musst du nicht jedes Mal bei Null anfangen. Wichtig: Immer die Quelle notieren. Mir ist es schon oft passiert, dass ich Bilder benutzen wollte, von denen ich keine Ahnung mehr hatte, woher sie kommen oder ob sie auch wirklich lizenzfrei sind.


Welches sind deine Lieblingsquellen für Bild, Video und Audio? Lass es mich in den Kommentaren wissen. Ich würde mich freuen, diese Liste in Zukunft noch zu ergänzen.


Verarbeitung…
Geklappt! Das nächste Mail landet in Deiner Inbox!

Schreiben und Gehirnchirurgie

Das Schreiben ist Kuriosum.

Es ist unfassbar. Es gibt keine Gebrauchsanleitung. Es ist etwas Peripheres und doch Durchschlagendes. Es ist etwas Verblüffendes und gleichzeitig Enttäuschendes. Es ist etwas Magisches. Oder doch nicht?

John D. MacDonald (1916 – 1986) schreibt im Vorwort zu Stephen Kings Night Shift, wie er oft auf Parties mit einem schief lächelnden Händedruck angesprochen wurde: «Weisst du, ich wollte immer ein Schriftsteller werden.» MacDonalds Antwort war nicht weniger schlagfertig, als dass sie auf ein essentielles Organ abzielte: «Weisst du, ich wollte immer ein Gehirnchirurg werden.»

Gehirnchirurgie ist kein Kuriosum. Es ist eine Wissenschaft. Oder ein Handwerk. Vielleicht auch eine Kunst. Aber es ist auf jeden Fall etwas Konkretes. In Form einer jahrzehntelangen, zähneknirschenden Ausbildung kann man sich man das nötige theoretische und praktische Wissen dazu aneignen. Es gibt einen klar definierten Karriereweg und mit viel Ausdauer und Disziplin kann (fast) jede und jeder GehirnchirurgIn werden.

Mit dem Schreiben ist es ein bisschen anders.

Du möchtest schreiben? Dann schreibe.

GehirnchirurgIn zu werden, indem man in Köpfen herumschnipselt, ist eine problematische Herangehensweise. Doch für das Schreiben ist es die einzige. Schreibe, um schreiben zu lernen. Das ist alles. Es braucht viel Übung…

… und eine Liebe zu Wörtern.
… und die Bereitschaft, viel zu lesen.
… und die Lust, sich selbst und damit andere Menschen genau kennenzulernen.
… und den Mut, Annahmen zu treffen.
… und einen starken Magen, um mit emotionaler Arbeit umgehen zu können.
… und noch einige weitere Dinge. Aber das Wichtigste ist das Schreiben.

Ich für meinen Teil habe gelernt, dass ich das Geschriebene veröffentlichen muss. Nicht weil es gut ist. Nein, ich bin mir bewusst, dass viele meiner Artikel weder meinen eigenen noch den Ansprüchen meiner Leser genügen. Aber Ansprüche sind nicht das Ziel. Schreiben ist das Ziel. Dieser Blog gibt mir eine Verbindlichkeit. Er gibt mir einen Rhythmus. Wenn ich regelmässig veröffentliche, dann muss ich regelmässig schreiben. Das ist das einfache Rezept. Das ist das ganze Rezept. Und indem ich regelmässig schreibe, hoffe ich, dass ich darin besser werde. Nicht morgen. Auch nicht übermorgen. Aber vielleicht in fünf oder zehn Jahren.

Die Alternative ist, Gehirnchirurg zu werden. Nicht unbedingt einfacher. Oder schneller. Aber greifbarer.

((Bild: Two dissected heads by Jacques-Fabien Gautier d'Agoty from Anatomie de la tete, 1748.))

Zwei sezierte Köpfe von Jacques-Fabien Gautier d’Agoty aus Anatomie de la tête von 1748. (Quelle)

… und der Mond bleibt still

«Mama», murmelt ein vierjähriges Mädchen mit ihrer Nase an der Fensterscheibe des Zuges.

«Es sieht so aus, als würden die Wolken mit uns fahren.»

Ihre grossen Augen spiegeln sich im Vorbeiziehen der grauen Häuserfassaden.

«Ich weiss aber, dass es nicht so ist. Es sieht nur so aus.»

Sie stützt ihr Kinn auf die kleinen Fäuste. Ihr Blick zeigt nach oben.

«Das ist wie beim Autofahren in der Nacht. Man denkt, dass sich der Mond mit uns bewegt. Dabei bleibt er still.»

GIF: Mond aus Sky: A Film Lesson in "Nature Study" (https://archive.org/details/6090_Sky_A_Film_Lesson_in_Nature_Study_The_01_35_14_18)