Glück im Unglück (塞翁失马) – eine chinesische Fabel

Ein Bauer besass nur ein einziges Pferd. Eines Tages brach dieses Pferd aus und rannte davon.

Seine Nachbarn meinten: „Es tut uns schrecklich leid. Was für schlimme Nachrichten. Du musst sehr verärgert sein.“

Doch der Mann antwortete bloss: „Wir werden sehen.“

Einige Tage später kam sein Pferd zurück auf den Bauernhof. Ihm folgten 20 wilde Pferde. Der Bauer und sein Sohn zäunten alle 21 Pferde ein.

Seine Nachbarn meinten: „Glückwunsch! Das ist ja grossartig. Du bist bestimmt überglücklich!“ 

Doch der Mann antwortete bloss: „Wir werden sehen.“

Der Sohn des Bauern versuchte eines der wilden Pferde zu zähmen, doch fiel auf den Boden und brach sich das Bein.

Seine Nachbarn meinten: „Welch schreckliche Neuigkeit! Es tut uns von Herzen leid. Du musst sehr traurig sein.“

Doch der Mann antwortete bloss: „Wir werden sehen.“

Ein Krieg brach aus und jeder junge, gesunde Mann des Landes wurde zum Militärdienst einberufen. Der Sohn des Bauern wurde wegen seines gebrochenen Beines von der Wehrpflicht verschont.

Seine Nachbarn meinten: „Welch glückliche Fügung! Du musst dich riesig über diese Nachricht freuen.“ 

Doch der Mann antwortete bloss: „Wir werden sehen.“


Ob etwas gut oder schlecht ist, richtig oder falsch, glücklich oder unglücklich, versuchen wir an Endpunkten festzumachen, die gar keine tatsächlichen Endpunkte sind. Weder das Ergebnis ist das Ergebnis noch ist das Ende das Ende. Wir wissen nie wirklich. Wir werden sehen…

„Be willing to let go of what you think the outcome is, to end up where you’re supposed to be.“ – Neil Strauss