Die 5 meistgelesenen Denkbrocken 2019

Geschriebenes

Dieses Jahr war ein aussergewöhnliches für Denkbrocken. Noch kein Jahr wurde so viel geschrieben und so viel veröffentlicht. Gleichzeitig wurde auch noch nie so viel auf der Seite gelesen, so viel geklickt und so viel Resonanz gezeigt.

Auch wenn Zahlen und Statistiken nicht adäquat widerspiegeln, was tatsächlich welchen Einfluss, welche Tiefe hatte und Daten meist der falsche Masstab sind, um Veränderung zu messen, so repräsentieren sie doch eine grobe Tendenz, ob etwas funktioniert oder nicht.

So zeigte sich, dass trotz all dem Aussergwöhnlichen einige Artikel aussergewöhlich oft gelesen, zitiert und verlinkt wurden. Was die Ursache dafür ist, lässt sich nicht eindeutig rekonstruieren – spannend ist es trotzdem. Hier sind die fünf meistgelesenen Artikel 2019:

Platz 5: Was ich von 10 Tagen Stille, Zeit und Einsamkeit gelernt habe

Selbst wenn dieser Artikel «nur» den 5. Platz belegt, befindet er sich mit Abstand an der Spitze, was die persönlichen Rückmeldungen betrifft, die ich für einen einzelnen Beitrag erhalten habe. So zeitintensiv die Erstellung auch war, so sehr freut es mich, dass nicht nur ich dieser persönlichen Erfahrung einen Wert abgewinnen konnte.

Platz 4: Zeit besitzen oder verlieren? – Über die Beziehung zwischen Mensch und Zeit in Senecas «Briefe an Lucilius»

Wenn sich ein Text nach 2000 Jahren noch so liest, als hätte ihn ein Zeitgenosse geschrieben, dann spricht das für eine bestimmte Qualität. Toll an Senecas Texten ist – mit denen ich mich sehr ausführlich auseinandergesetzt habe –, dass sie nicht nur von ihrer Thematik und ihren Aussagen hochaktuell, sondern auch (für ihr Alter) sehr gut lesbar sind. Als Einstieg in das Denken des römischen Philosophen kann ich wärmstens die schlanke Abhandlung Von der Kürze des Lebens oder seine Briefe an Lucilius empfehlen.

Platz 3: Nova Atlantis – Francis Bacon und seine poetische Utopie einer Wissensgesellschaft

Ich liebe es, mich mit Visionären auseinanderzusetzen. Und Francis Bacon war zweifellos einer. In diesem Artikel beleuchte ich eine der Geburtsstunden der modernen, empirischen Wissenschaft. Man wird es merken: Ich bin ein Fan und komme selbst kaum aus dem Staunen heraus. Schön, dass dieser Funken gesprungen ist!

Platz 2: Hermann Hesse übers Zuhören: Siddhartha und der Fluss des Lebens

An diesem zweiten Platz habe ich ehrlich gesagt wenig Anteil nehmen müssen. Der Artikel ist im Grunde eine Sammlung an Zitaten aus Hesses wunderbaren Werk Siddhartha, die ein wenig sortiert, komponiert und kommentiert wurden. Die Magie von Hesses Worten macht den Rest.

Platz 1: Amor fati – Friedrich Nietzsche und die Liebe zum Schicksal

«Amor fati» steht in praktisch jedem meiner Notizbücher zuvorderst und ist mein wichtigster philosophischer Wegweiser, an dem ich mich regelmässig orientiere (oder es zumindest versuche). Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung von Nietzsches Konzept mit einer Prise Stoizismus, illustriert mit einigen bewegten Figürchen. Dass dieser Beitrag an erster Stelle steht, habe ich aber wohl vor allem dem Google-Algorithmus zu verdanken ; )


Bild: Reading lady from Momoyogusa–Flowers of a Hundred Generations (1909) by Kamisaka Sekka – Quelle.