Mit Blitz und Donner zeichnen

Geschriebenes

«Welches Medium hast du für dein letztes Kunstwerk gewählt?», könnte jemand 1977 den amerikanischen Künstler Walter De Maria (1935-2013) gefragt haben. «Ach, nichts Besonderes», hätte dieser mit den Händen in den Hosentaschen und einem Grinsen im Gesicht geantwortet. «Nur Blitz und Donner.»

Was für eine Exzentrik, was für eine Anmassung! Zeus würde vor Wut aufschäumen, wenn er wüsste, mit welchen Mitteln sich ein menschlicher Künstler brüstete. Und doch tat Walter De Maria mit seinem Lightning Field in einem abgelegenen Teil der Hochwüste von New Mexico nichts weniger als das: Ein Garten, in dem Blitze gepflanzt und grelle, flüchtige Linien in den Himmel gezeichnet wurden. Ein begehbares Spektakel aus Licht, Schatten, Farbe, Lärm und Leere – ein synästhetisches Kunstwerk mit dem Pinselstrich der Natur.

Genaugenommen konnte De Maria natürlich weder die Blitze, noch den Donner inszenieren. Das Einzige, was er gemacht hat, war, 400 Edelstahlstangen in die Erde zu stossen und zu warten. Der Rest erledigte sich von alleine. Walter De Maria schuf den Nährboden für ein Naturspektakel. Und unterschrieb das Ganze mit seinem Namen.

Walter De Maria, The Lightning Field, 1977

Walter De Maria, The Lightning Field, 1977