Zahlen sind bedeutungslos

Geschriebenes
  • Ein Kolibri schlägt mit seinen Flügeln bis zu 50-mal pro Sekunde.
  • An der Cholera-Pandemie in London von 1848 bis 1849 starben insgesamt 150’000 Menschen.
  • In Tschechien verdient man durchschnittlich 1200 Euro pro Monat.
  • Radiowerbung kostet 11 Cents pro gehörter Stunde.

Zahlen alleine sind bedeutungslos.

Erst wenn man erfährt, dass die hohe Flügelschlagfrequenz dem Kolibri erlaubt, im Flug praktisch stehen zu bleiben und präzise Manöver zu fliegen, oder erst wenn man weiss, dass der doppelt so grosse Haussperling nur ca. fünfmal langsamer flattern kann, bekommt die Zahl einen Inhalt.

Erst wenn man weiss, wieviele Menschen normalerweise in London versterben oder wieviele Todesopfer vergleichbare Seuchen und Katastrophen forderten, kann man der Zahl einen Nutzen abgewinnen.

Erst wenn man Kenntnis hat, was es in Tschechien kostet, seinen Magen zu füllen oder wieviel Geld nach der Miete übrig bleibt, macht es Sinn, die Zahl mit derjenigen des Nachbarlandes zu vergleichen.

Erst wenn man sich bewusst ist, dass in Zeitungen siebenmal mehr Geld für die gleiche Aufmerksamkeitsspanne ausgegeben wird oder Werbung in Podcasts zehnmal weniger kostet, kann eine Aussage über die Beziehung zwischen der Kultur und der Werbeindustrie gemacht werden.

Damit Zahlen ihre Wirkung entfalten können, brauchen sie einen Kontext, einen Bezugswert. Zahlen allein sind lediglich Information. Mit einem Rahmen erzählen sie eine Geschichte.

The people of Lagado’s “engine” from Swift’s Gulliver’s Travels, as illustrated in The Prose Works of Jonathan Swift, DD, Volume 8 (1899)
Bild: The people of Lagado’s “engine” from Swift’s Gulliver’s Travels, as illustrated in The Prose Works of Jonathan Swift, DD, Volume 8 (1899) — (Quelle)