Die Mitte interessiert sich nicht

Geschriebenes

Die Mitte hebt nie den Arm. Die Mitte stellt keine Fragen. Die Mitte gibt keinen Impuls. Die Mitte schaut, ist still, geht mit, ist da. Doch sie wählt nicht, schreit nicht, tanzt nicht. Die Mitte glaubt nicht, hofft nicht, will nicht. Nicht wirklich. Weshalb? Weil sie sich nicht interessiert. Nicht genug interessiert.

Streit passiert nicht zwischen Menschen, welche die Nase rümpfen und weiterspazieren. Konfrontation geschieht nicht zwischen Personengruppen, die mit den Schultern zucken und die Strassenseite wechseln. Diskussion entsteht nicht mit einem Gegenüber, das keinen Standpunkt hat.

Veränderung kommt immer von aussen: von den Extremen, von den Radikalen und den Verrückten. Von den Visionären, den Vorläufern und Pionieren. Von den Benachteiligten, den Privilegierten, den Hin- und Hergerissenen. Deshalb können Randgruppen ein System verändern. Deshalb können Einzelpersonen die Kultur prägen.

Eine Idee, ein Projekt, eine Bewegung – so gut sie/es auch sein mag – gewinnt nie die Mehrheit. Aber das ist auch nicht nötig. Denn für einen wichtigen Schritt braucht es nicht mehr als 50% der Bevölkerung. Es reicht eine Person oder eine Gruppe, die sich genug dafür interessiert.


Bild: The Great Day of His Wrath von John Martin, ca. 1851. (Quelle)