Mit den Socken Diamanten pflücken

Geschriebenes

Es macht Spass, über konkrete Dinge in einer poetischen Weise nachzudenken, die in ihrem sprachlichen Kleid ganz und gar unkonkret werden.

Die Perlen des Morgentaus auf den Grashalmen im Garten lassen sich sprachlich als diamantenes Funkeln in der Dämmerung beschreiben. Das ändert aber nichts daran, dass man nasse Füsse kriegt, wenn man mit den Socken die Edelsteine von der Wiese pflückt.

Wo ein gekonnter Umgang mit Sprache fehlt, geht meiner Meinung nach viel Schönheit und Wert verloren. Weil man nun mal nicht jedem Menschen mit Berührungen, Küssen und Blicken eine Geschichte erzählen kann, bleibt uns nichts anderes übrig, als auf das Medium der Sprache zurückzugreifen. Allerdings kann Sprache dort, wo sie bunt, persönlich und vielfältig zum Ausdruck kommt, unter Umständen dazu verleiten, das Physische zu umdribbeln. Das Unmittelbare wird durch eine passende Metapher nicht rosiger. Die Füsse werden nass, so schön man die Umstände auch beschreiben mag.


Gif: Eigenkreation aus den Bildern “Artificial tree-trunk closed” und “Artificial tree-trunk open” von Richard Kearton’s Wild Life at Home (1898). (Quelle – via PDR)