Das Ungelesene

Geschriebenes

Auf dem Büchergestell in meinem Zimmer stehen mehr als 200 Bücher. Das sind alles Anschaffungen der letzten drei Jahre – im Schnitt mehr als ein Buch pro Woche. Habe ich all diese Bücher gelesen? Natürlich nicht.

Ungefähr ein Drittel davon steht ungelesen im Regal. Vielleicht habe ich kurz darin geblättert, vielleicht habe ich sie aber noch nicht einmal aufgeschlagen. Mehr als 50 Bücher stehen einfach da und warten. Und das ist gut so.

Denn was würde ich morgen machen, wenn alle gelesen wären? Was würde ich übermorgen dazulernen? Wo würde ich nächsten Monat stehen? Und wo in einem halben Jahr?

Ungelesene Bücher sind genauso wichtig wie gelesene. Sie sind der mahnende Zeigefinger des Autodidakten. Die physische Erinnerung an unentdeckte Universen. Unterschwellig und doch gegenwärtig. Sie drehen einem den Rücken zu und öffnen sich erst, wenn man sie in die Hand nimmt.

Das Ungelesene ist keine Bürde, sondern eine Chance.


Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem monatlichen Newsletter von Denkbrocken. Hier kannst Du dich in die Liste eintragen:


Bild: Illustration von Gustave Doré für Miguel de Cervantes erstes Kapitel von Don Quixote, 1863. (Quelle)