ß

Geschriebenes

Es passiert immer wieder, dass ich von aufmerksamen Leser*innen (meist) höflich darauf hingewiesen werde, in meinen Beiträge doch bitte etwas mehr auf die Orthographie zu achten.

Dass sich Fehler in meinen Texten einschleichen, ist mir bewusst und dass die Anzahl manchmal die Toleranzgrenze überschreitet, kann ich absolut nachvollziehen. Ich arbeite daran.

Doch überraschenderweise werde ich selten auf die Fehler hingewiesen, bei denen ich mir nach der Veröffentlichung aufgrund der eigenen Blindheit die Hand vor die Stirn schlage. Ja, oft handelt es sich um «Fehler», welche die Anführungs- und Schlusszeichen rund um das Wort rechtfertigen.

«Im dritten Wort sollte Eszett stehen», heisst es zum Beispiel in einem Mail. Oder: «Im letzten Satz des zweiten Abschnittes wurde nach dem langen Vokal ein scharfes S übersehen.» Einmal wurde mir sogar unkommentiert ein Link zur s-Schreibung auf duden.de gesendet.

Erst als sich die Leserschaft meines Blogs von Schweizer Bekannten auf mehrheitlich Deutsche und Österreicher*innen verschob, ist mir aufgefallen, dass Deutsch vielleicht doch nicht immer gleich Deutsch ist.

Genauso wie man bei uns eine saftige Busse erhält, wenn man verkehrtherum in eine Einbahnstrasse fährt, würde sich weder ein Schweizer Lehrer noch eine Schweizer Uniprofessorin über die Rechtschreibung am Satzanfang die Stirne runzeln.

Ich bin mir noch unsicher, wie ich mit diesem Problem umgehen sollte. Vielleicht richte ich einen Disclaimer *Achtung Schweizer Hochdeutsch* ein. Oder ich entscheide mich für die vermutlich sinnvollere Variante und gewöhne mir das ß an.

Ich entschuldige mich, wenn es bis dahin zu Mißverständnißen kommen sollte!


Bild: Ausschnitt aus Alphabet and numbers (1700-1899) – Quelle.