Repertoire

Geschriebenes

Wenn wir uns vorstellen oder einem Freund zum Geburtstag gratulieren, müssen wir nicht lange überlegen. Wir packen unser Repertoire aus, öffnen es, greifen eine Formulierung oder picken einen Ausdruck heraus, schliessen es und stecken es wieder ein.

So tragen wir im Alltag eine Sortiment an metaphorischen Stützrädern, Schraubzwingen, Pflastern und Landkarten mit, die uns in allen erdenklichen Kommunikationssituation das Leben ein bisschen einfacher machen. Wir haben es immer mit dabei. Wir wissen, dass es funktioniert. Und es fühlt sich sicher an.

Das Problem daran ist, dass wir das eigene Repertoire nur erweitern können, indem wir etwas versuchen, was ausserhalb davon liegt. Erst wenn wir über uns erzählen, was wir in dieser Form noch nie über die Lippen gebracht haben oder eine Gratulation formulieren, bei der wir nicht sicher sind, ob sie auch ankommt, strecken wir unsere Finger in ein neues Territorium aus. Das fühlt sich unheimlich an. Aber es ist es wert.


Bild: Chinesische Illustration von zwei Männern mit Teekisten (ca.1800–1899) aus der Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs: Art & Architecture Collection – Quelle.