Motivation durch Empathie: das Gerichtsverfahren der Bemba

Berichten zufolge hat das Volk der Bemba oder BaBemba aus Sambia ein aussergewöhnliches Ritual, mit Fehlverhalten umzugehen, wie Leonard Zunin in «Contact: The First Four Minutes» beschreibt. Wenn ein Stammesmitglied ein Verbrechen oder selbstsüchtiges Unrecht begeht, versammelt sich das gesamte Dorf und bildet einen Kreis um den Übeltäter. Dann spricht jeder einzelne Dorfbewohner zum Straftäter – beginnend mit dem oder der Jüngsten, einer nach dem anderen. Jedes Mitglied erinnert den Angeklagten an die positiven Dinge, die der Gesetzwidrige in seinem Leben vollbracht hat. Jedes Ereignis und Erlebnis wird ehrlich und detailliert nacherzählt. Sarkasmus und Lügen sind verboten. Diese Prozedur dauert oft mehrere Tage. Mit der Zeit sammeln sich alle positiven Eigenschaften, guten Taten, Stärken und Gefälligkeiten des Übeltäters. Es stellt sich die Frage, wie eine Person mit so vielen positiven Qualitäten zu einer so asozialen Tat fähig sein kann. Am Ende des Rituals wird der Straftäter mit einem Fest wieder im Stamm willkommen geheissen. Die Rückfallquote ist minimal.

Ein jeder handelt zum Zeitpunkt einer Straftat nach seinen momentanen Überzeugungen und den aktuellen Umständen. Es ist möglich, dass der Gesetzwidrige zum Zeitpunkt seiner Straftat, sich seiner Untaten nicht, oder nur verzerrt bewusst war. Empathie ist lösungsorientierter als Kritik. Seneca meinte: «Achte den Leidenden heilig.». Der Straftäter ist in vielen Situationen nur ein Leidender. Anstatt ihn zu bestrafen, wäre manchmal ein moralischer Anschubser gewinnversprechender.

Fiktion als das Fundament menschlicher Zusammenarbeit: Yuval Noah Harari über die Macht erfundener Ordnungen

«Jede menschliche Zusammenarbeit im grossen Stil beruht letztlich auf unserem Glauben an erfundene Ordnungen. Das sind Gefüge von Regeln, die zwar nur in unserer Fantasie existieren, die wir aber für so real und unumstösslich wie die Schwerkraft halten.»

Wir glauben an die gleichen Geschichten und die gleichen erfundenen Ordnungen. Das macht uns in der Tierwelt einzigartig und das ist es, was den Homo Sapiens vom Neandertaler unterscheidet. Neandertaler kooperierten, wenn sie miteinander im Blute verwandt waren. Sapiens hingegen zogen zu fünfzigtausenden in die Kreuzzüge, weil sie den Glauben an das Christentum teilten.

Doch was ist mit erfundenen Ordnungen wirklich gemeint? Yuval Noah Harari beschreibt in «Homo Deus» drei Ebenen der Wirklichkeit. Die subjektive, die objektive und die intersubjektive Realität. Unter der subjektiven Wirklichkeit wird das persönliche, voreingenommene Weltbild verstanden. Es ist allgemein akzeptiert, dass subjektive Wahrnehmungen genauso real sein können wie objektive Erscheinungen. Mit der objektiven Wirklichkeit ist die sachliche, messbare Ebene der Welt gemeint. Die objektive Welt ist unabhängig von subjektiven Empfindungen. Von einer intersubjektiven Realität können sich allerdings die Wenigsten ein konkretes Bild machen. Intersubjektive Phänomene wie Geld, Gott und Nationen «hängen eher von der Kommunikation zwischen vielen Menschen ab als von den Überzeugungen und Gefühlen einzelner Personen». Sie sind ein Konstrukt, das über das Bewusstsein einer einzelnen Person hinausgeht. Die intersubjektive Realität ist Fiktion, die durch den Glauben vieler Individuen zu einer realen Macht wird.

Nehmen wir das Beispiel des Geldes. Auch wenn wir als eine Gesellschaft Geld als echt empfinden, ist Geld nicht real. Eine Münze an sich hat keinen Wert. Auch eine Banknote oder eine Zahl auf dem Konto ist an sich wertlos. Der Wert von Geld entsteht dadurch, dass wir alle an Geld glauben. Wenn, wie Harari erklärt, die Verkäuferin in einer Bäckerei unser Geld nicht entgegennehmen möchte, ist das noch kein Problem. Wir gehen einfach eine Strasse weiter in ein ähnliches Geschäft und tauschen dort unser Geld gegen Realien. Wenn allerdings auch dieses Geschäft und alle im Quartier – ja die ganze Stadt oder das ganze Land – unser Geld nicht mehr möchten, stehen wir mit leeren Händen da. Geld hat keinen realen Wert. Im 17. Jahrhundert in den Niederlanden wurde die Tulpenzwiebel zum Spekulationsobjekt. Der Tulpenzwiebel wurde ein Wert zugeschrieben und durch die geweckte Begierde und den knappen Faktor schossen die Preise durch die Decke. Die Tulpenzwiebel an sich war wertlos, der Gegenwert real. Der Höhepunkt dieser Tulpenmanie dauerte lediglich wenige Monate. Geld, ob Münzen oder Blumenzwiebeln, ist nur eine Geschichte, die wir uns erzählen.

Intersubjektive Phänomene sind erdachte Ordnungen, reine Fiktion. Und doch halten wir sie für unumstösslich. «Wir wollen nicht akzeptieren, dass unser Gott, unsere Nation oder unsere Welt blosse Fiktion sind, denn das sind die Dinge, die unserem Leben Sinn geben», wie Harari feststellt, «Sinn entsteht, wenn viele Menschen zusammen an einem gemeinsamen Geflecht von Geschichten weben.» Wir erschaffen uns «mit Hilfe der Sprache völlig neue Wirklichkeiten». Diese erfundenen Geschichten geben uns gemeinsame Ziele und ermöglichen uns Zusammenarbeit im grossen Stil.

Diese erfundenen Ordnungen stärken und festigen wir durch unsere Aufwände. Seien es wertvolle Güter, die wir den Göttern opferten, Kriegsleichen, die wir für eine ideologische Gesellschaft in Kauf nahmen und nehmen oder Stunden, in denen wir uns für Münzen und Geldnoten abarbeiten. Harari schreibt:

 «Je mehr Opfer wir für eine erfundene Geschichte bringen, desto stärker wird die Geschichte, weil wir diesen Opfern und diesem Leid, das wir verursacht haben, um jeden Preis einen Sinn geben wollen.»

Der Zahn der Zeit lockert das Geflecht unserer Geschichten und macht Platz für neue Ideen, neue Realitäten:

«Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte löst sich das Geflecht auf, und an dessen Stelle wird ein neues Geflecht gesponnen. Sich mit Geschichten zu befassen heisst, bei der Entstehung und Auflösung dieser Geflechte zuzusehen und zu erkennen, dass das, was den Menschen in der eigenen Epoche als das Wichtigste im Leben erscheint, für ihre Nachkommen völlig bedeutungslos sein wird.»

Harari vermutet, dass der technologische Fortschritt im Laufe der kommenden Jahre unseren erfundenen Realitäten möglicherweise noch mehr Macht zuschreiben wird:

 «Im 21. Jahrhundert wird die Grenze zwischen Geschichte und Biologie vermutlich unscharf werden, nicht weil wir auf biologische Erklärungen für historische Ereignisse stossen, sondern weil ideologische Fiktionen die DNA-Stränge neu schreiben; weil politische und ökonomische Interessen das Klima verändern; und weil die Geografie von Bergen und Flüssen dem Cyberspace weicht. Wenn menschliche Fiktionen in genetische und elektronische Codes übersetzt werden, wird die intersubjektive Realität die objektive Realität verschlingen und die Biologie wird mit der Geschichte verschmelzen. Im 21. Jahrhundert könnte die Fiktion somit zur wirkungsmächtigsten Kraft auf Erden werden, wirkmächtiger noch als unberechenbare Asteroiden und die natürliche Auslese. Wenn wir unsere Zukunft verstehen wollen, wird es deshalb nicht ausreichen, Genome zu entschlüsseln und über Zahlen zu brüten. Wir müssen die Fiktionen entschlüsseln, die der Welt einen Sinn verleihen.»

Der Mensch als Individuum ist schwach. Als Kollektiv beherrschen wir jede andere Rasse auf diesem Planeten. Wir regieren den Planeten, weil wir glauben können und weil wir erfundenen Ordnungen eine reale Macht zuschreiben können. Wohin wir uns als Gesellschaft entwickeln, wird durch die Storyline der Geschichten, die wir uns erzählen, bestimmt. Deshalb sollten wir uns darauf konzentrieren, die richtigen Geschichten zu schreiben.

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Max Planck über Innovation und Fortschritt

«Wer nicht gelegentlich auch einmal kausalwidrige Dinge zu denken vermag, wird seine Wissenschaft nie um eine neue Idee bereichern können.» Um die Ecke zu denken, bedeutete für den deutschen Physiker Max Planck (1858-1947) die Grundlage eines progressiven Schaffens und Lebens. Philosophische Grenzfragen beschäftigten den fortschrittlichen Denker und Nobelpreisträger.

Planck war davon überzeugt, dass Irrlehren nur dann von neuen Erkenntnissen abgelöst werden können, wenn die davon überzeugten Professoren und deren Schüler ausstreben. Das Alte müsse zuerst beerdigt werden, bevor neue Theorien auf dem Nährboden der unvoreingenommenen Generation gedeihen können:

 «Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.»

Der Fortschritt bewege sich unweigerlich auf ein gottgleiches, vollkommenes Ziel zu. Dieses Ziel zu erreichen sei nicht realistisch.. Aber weil wir ein Ziel definieren, haben wir eine vorgegebene Richtung. Und dieser Richtung folgen wir Schritt für Schritt. Das ist Fortschritt. So entsteht Innovation.

„Welches ist nun die Richtung dieses Fortschrittes und welchem Ziel strebt er zu? Die Richtung ist offenbar eine beständige Verfeinerung des Weltbildes durch Zurückführung der in ihm enthaltenen realen Elemente auf ein höheres Reales von weniger naiver Beschaffenheit. Das Ziel aber ist die Schaffung eines Weltbildes, dessen Realitäten keinerlei Verbesserung mehr bedürftig sind und die daher das endgültig Reale darstellen. Eine nachweisliche Erreichung dieses Zieles wird und kann niemals gelingen.“

Konditionierung der Perspektive nach Marc Aurel

«Wähle unverletzt zu sein und du wirst dich unverletzt fühlen. Fühle dich unverletzt und du wirst unverletzt sein.» Marc Aurels Herangehensweise an einen stoischen Optimismus ist ein praktisches Werkzeug im effizienten und eleganten Umgang mit alltäglichen Stolpersteinen. Anstatt sich von negativen Einflüssen lenken zu lassen, dient sie als Möglichkeit, Geduld und Verständnis zu praktizieren. Was im Weg liegt, macht den Weg interessant. Marc Aurel schreibt in «Selbstbetrachtungen»:

 «Gleich in der ersten Morgenstunde sage zu dir: Heute werde ich mit einem vorwitzigen, undankbaren, übermütigen, ränkevollen, verleumderischen, ungeselligen Menschen zusammentreffen. Alle diese Fehler haften an ihnen nur wegen ihrer Unkenntnis des Guten und des Bösen. Ich hingegen sehe ein, dass das Gute seinem Wesen nach schön, das Böse hässlich ist, und weiss von der Natur selbst des Fehlenden, dass sie mit der meinigen verwandt ist, nicht sowohl desselben Blutes und Samens, als vielmehr derselben Vernunft, des gleichen göttlichen Funkens teilhaftig. Auch weiss ich, dass weder er, noch sonst ein Mensch mich beschädigen kann; denn niemand vermag es, mich in etwas Schändliches zu verwickeln; aber ebenso wenig kann ich dem, der mir verwandt ist zürnen oder ihm gram sein; sind wir ja vielmehr zu gemeinschaftlicher Wirksamkeit da, wie die Füsse, die Hände, die Augenlieder, die oberen und unteren Reihen der Zähne. Einander entgegenwirken wäre mithin naturwidrig, auf jemand aber ungehalten sein und von ihm sich abwenden, hiesse ihm entgegenzuwirken.»

 

Steven Pressfield über innere Widerstände im kreativen Prozess

«Every sun casts a shadow. And genius’s shadow is resistance»

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«Das Schreiben selbst ist nicht schwierig. Was wirklich schwierig ist, ist sich hinzusetzen, um zu schreiben.» Jeder Kreativschaffende führt in seinem Innern eine Schlacht gegen den unbarmherzigen Gegner, den Steven Pressfield in seinem Manifest The War of Art «Resistance» nennt. «Resistance» ist der innere Widerstand, der uns davon abhält, zu tun, was wir wirklich möchten.

Wie sieht dieser Widerstand aus? Pressfield beschreibt ihn als eine natürliche Kraft. Der Widerstand handelt objektiv. Widerstand ist unser innerer Gegner, der uns webschubst, uns ablenkt, uns beleidigt, uns anlügt, uns etwas vorspielt, uns von unserer Arbeit abhält. Widerstand führt uns auf den einfacheren Weg, den Weg mit der geringsten Reibung.

Prokrastination ist die gewöhnlichste Form des Widerstands. Wir warten auf einen optimalen Zeitpunkt. Doch der optimale Zeitpunkt ist eine Illusion. Er ist eine Lüge, eine profane Entschuldigung des Widerstands. Grandiose Fantasien sind ein Symptom des Widerstands, genauso wie Grausamkeit gegenüber Mitmenschen, Depression oder Selbstzweifel.

«Resistance is like giving birth. It seems impossible until you remember that women have been pulling it of successfully, with support and without, for fifty million years.»

Widerstand wird angetrieben von Angst: die Angst zu versagen, die Angst sich blosszustellen, die Angst abgelehnt zu werden. Der Widerstand liebt die Angst. Er benutzt sie, um uns zu paralysieren. Die Angst hindert uns, wenn nicht von der Arbeit selbst, dann vor dem Aussetzen einer öffentlichen Kritik.

Gleichzeitig zeigen Angst und Widerstand, was uns wirklich wichtig ist. Wo Liebe und Herzblut sind, dort sind Widerstand und Angst vor Ablehnung. Wenn wir die Symptome umkehren, können wir den Widerstand als Kompass nutzen. Angst ist ein Indikator und sagt uns, was wir zu tun haben und was uns wirklich wichtig ist. Pressfield leitet daraus ab: Je mehr wir uns vor einer Arbeit oder Berufung fürchten, desto sicherer können wir uns sein, dass wir sie tun bzw. ihr folgen müssen:

 «Are you paralyzed with fear? That’s a good sign. Fear is good. Like self-doubt, fear is an indicator. Fear tells us what we have to do. Remember one rule of thumb: the more scared we are of a work or calling, the more sure we can be that we have to do it.»

Die Angst bleibt. Wir müssen ihr jeden Tag gegenübertreten. Wir müssen die Angst jeden Tag von neuem bekämpfen. Das ist anstrengend, das erschöpft. Pressfield schreibt:

 «The artist committing himself to his calling has volunteered for hell, whether he knows it or not. He will be dining for the duration on a diet of isolation, rejection, self-doubt, despair, ridicule, contempt, and humiliation.»

Dennoch ist Konfrontation die einzige Möglichkeit. Kontrollieren wir unsere Angst, so haben wir den Widerstand an der kurzen Leine. Haben wir den Widerstand unter Kontrolle, so sind wir frei, zu kreieren und zu wirken, was und wie wir wirklich möchten.

Verliebtsein und Herzklopfen: Wenn wir uns nicht mehr auf die eigenen Gefühle verlassen können

Können wir uns unserer Gefühle sicher sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Studie von Hariri AR, Bookheimer SY und Mazziotta JC aus dem Jahr 2000. Sie beobachteten die Reaktionen einer Testgruppe von jungen Männern, die eine Hängebrücke überquerten. Eine junge, attraktive Frau führte mit den Männern eine Umfrage durch. Die Hälfte der Testgruppe wurde auf der Hängebrücke befragt, die andere Hälfte kurz nach der Überquerung. Im Anschluss an die Umfrage gab die junge Frau ihre Telefonnummer. Die Männer können sich bei ihr melden, falls sie noch zusätzliche Informationen zur Befragung erhalten möchten. Jene Männer, die auf der Hängebrücke angesprochen wurden, meldete sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bei der jungen Frau. Wieso?

Die Männer, die mitten auf der Hängebrücke interviewt wurden, erlebten eine intensive körperliche Erregung (Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Adrenalinkick), die sie normalerweise als Angst wahrgenommen hätten. Weil sie allerdings von einer attraktiven Frau befragt wurden, deuteten sie ihre Erregung fälschlicherweise als sexuelle Anziehung.

Der Mensch besitzt ein primitives Nervensystem für die Verarbeitung von Emotionen wie Angst und Wut (Amygdala). Allerdings haben wir die Fähigkeit, diese instinktiven emotionalen Reaktionen durch intellektuelle Aktivität im präfrontalen Cortex zu formen, zu interpretieren und rechtzufertigen. Es ist also schwierig, zu unterschieden, ob unser Herz klopft, weil wir verliebt sind oder wir uns wegen dem Herzklopfen verlieben. Es ist schwierig zu sagen ob wir wirklich fühlen, was wir glauben zu fühlen.

Übers Unterbrechen und Fortsetzen: Hemingways Schreibstrategie

Ernest Hemingway (1899-1961) meisterte nicht nur das Schreiben selbst, sondern perfektionierte auch seinen effizienten Arbeitsstil. Larry W. Phillips hat einer Assemblage mit dem Titel «Ernest Hemingway on Writing» die Schreibessenz eines der grossartigsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zusammengetragen.

Hemingway hatte die Angewohnheit, seine Arbeit mitten im Thema oder sogar mitten im Satz zu unterbrechen. So hatte er am kommenden Tag einen genauen Anhaltspunkt, wo und wie er die Arbeit weiterführen konnte. In «Monologue to the Maestro: A High Seas Letter» im Esquire vom Oktober 1935 rät Hemingway einem jungen Schriftsteller:

«The best way is always to stop when you are going good and when you know what will happen next. If you do that every day when you are writing a novel you will never be stuck. That is the most valuable thing I can tell you so try to remember it.»

«Die beste Art ist immer dann zu stoppen, wenn es gut läuft und wenn du weisst, was als nächstes passieren wird. Wenn du einen Roman schreibst und das täglich machst, wirst du niemals steckenbleiben. Das ist das Wertvollste, was ich dir zu sagen habe, also versuch, es dir zu merken»

Bevor Hemingway morgens mit dem Weiterschreiben begann, sah er den vorangegangen Part durch. So verlor er nie den Überblick und hatte die Möglichkeit, das Geschriebene zu überprüfen und allenfalls Anpassungen vorzunehmen.

«The best way is to read it all every day from the start, correcting as you go along, then go on from where you stopped the day before. When it gets so long that you can’t do this every day read back two or three chapters each day; then each week read it all from the start. That’s how you make it all of one piece.»

«Die beste Art ist es, jeden Tag alles von Anfang an zu lesen, währenddessen zu korrigieren und dann dort weiterzumachen, wo du gestern aufgehört hast. Wenn es so lange wird, dass dies nicht mehr täglich möglich ist, dann lies die letzten zwei oder drei Kapitel; und lies es jede Woche ganz von Beginn an. Auf diese Weise machst du aus Allem ein Ganzes.»

Dies ist eine universell-gültige Herangehensweise für jegliche Projektformen. Mach jeden Tag ein bisschen weniger als möglich und lerne deine Arbeit jeden Tag von Neuem kennen.