3 (großartige) Bücher, die mein Jahr 2023 geprägt haben
Geschriebenes
Bisher hätte ich mich als einen konstanten (vielleicht auch traditionellen) Leser beschrieben. Ich las fast täglich, setzte mich hin, nahm mir Zeit, lies mich auf den Text ein, machte gelegentlich Notizen, dachte nach und stellte die Lektüren sorgfältig zurück ins Regal. Dieses Jahr war um einiges turbulenter. Ich habe mich für meine Masterarbeit über sechs Monate mit einem Buch gequält, das mich genauso nervte, wie es mich faszinierte. Ich hatte überhaupt keine Lust zu lesen, hasste es zwischenzeitlich und dann gab’s plötzlich wieder nichts Besseres. Ich las am Bildschirm und über die Kopfhörer. Ich habe geweint und zum ersten Mal Seiten zerrissen. Ich … es war anstrengend.
Im ganzen Auf und Ab dieser 12-monatigen Leseachterbahn gab es jedoch einige Bücher, die mir aufzeigten, dass das Lesen trotz aller Turbulenzen fraglos wertvoll ist. Drei davon will ich heute präsentieren. (Hier geht’s zu den Listen meiner prägendsten Bücher der Jahre 2022, 2021, 2020, 2019, 2018 und 2017.)
Marlen Haushofer – Die Wand (1963)
«I went to the woods because I wished to live deliberately», schreibt Henry David Thoreau in Walden, «to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived.» Auch die namenlose Protagonistin im Roman Haushofers sieht sich – wenn auch aus ganz anderen Gründen – abseits der Zivilisation mit existenziellen Fragen konfrontiert. Ihre Philosophie spricht aber eine unruhigere, echtere Sprache. Der Bericht handelt von Kartoffeln, Hund und Kuh und mit Kartoffeln, Hund und Kuh von allem anderen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand geben.
→ Hier geht’s zur Taschenbuchausgabe.
Und wer sich in dieser Art selbstreflexiver Robinsonaden wiederfindet, muss zwingend die spacige Fortsetzung The Martian (Der Marsianer) von Andy Weir lesen. Da geht’s nämlich auch um Kartoffeln.
Charles Lewinsky – Melnitz (2006)
Dieses Buch habe ich trotz der knapp 1’000 Seiten mehrere Monate mit mir herumgetragen. Und es hat sich gelohnt. Das Buch begleitet über mehrere Generation (von 1871 bis 1946) eine jüdische Familie in der Schweiz. Sorgfältig recherchiert und nuanciert erzählt gelingt es Lewinsky, die historischen Kontexte wie auch die feinsten zwischenmenschlichen Dynamiken zu einer funktionierenden Geschichte zu verweben. Kurz gesagt: tolle Literatur!
→ Hier geht’s zur Generationenroman in der gebundenen Ausgabe.
Peter Attia – Outlive: The Science and Art of Longevity (2023)
Als begeisterter Hörer von Peter Attias Podcast The Drive hat es mich nicht überrascht, dass es sich bei seinem neuen und ersten Buch um einen Knüller handelt. Aber auch Nicht-Fans muss die Relevanz von Outlive nahegelegt werden. Attia versucht mit seinem Buch nämlich nichts weniger als einen Paradigmenwechsel anzustossen, wie über persönliche und institutionalisierte Gesundheit nachzudenken sei. Es braucht mehr als nur Fachwissen, um chronische Krankheiten, Ernährung, Training, Schlaf sowie kognitive und emotionale Gesundheit zusammenzuführen. Attia hat es geschafft, einen gemeinsamen Nenner und die passende Flughöhe zu finden. (Klar, man bezahlt mit viel Jargon, aber das überlebt man.)
→ Hier geht’s zum englischen Original.
→ Hier geht’s zur deutschen Übersetzung.
Anmerkung: Bei den Links handelt es sich um Amazon Affiliate Links. Wenn ein Buch (ohne Mehrkosten) über dieser Link gekauft wird, erhalte ich einen winzigen Kick-back. Danke dafür!
Bild: Woman reading in a rocking chair (1899) von Edward Penfield – Quelle.
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