10 (grossartige) Bücher, die mein Jahr 2019 geprägt haben

Geschriebenes

Fiktional, faktual, kurz, lang, klein, gross, deutsch, fremdsprachig, einfach, komplex, abstrakt, konkret, emotional, sachlich, Text, Bild und Audio. Als ich auch auf dieses Jahresende hin wieder meine 80+ gelesenen Bücher Revue passieren liess, ist mir besonders etwas aufgefallen: Bücher kommen nicht nur in allen Formen und Farben, sondern können auch alles und noch viel mehr. Entsprechend ist auch die Liste meiner Liebsten und Wichtigsten des Jahres ziemlich bunt geworden. Wie immer ist die Auswahl subjektiv und kontextgebunden. Und wie immer ist es keine Rangliste, sondern nur eine Liste. Doch vielleicht findest du trotzdem etwas, das für dich zu diesem Zeitpunkt das Richtige ist. (Hier gelangst du zur Liste der bedeutendsten Bücher von 2018 und 2017.)

Franz Kafka – Der Process
Wenn beim Lesen die eigenen Gedanken Amok laufen, die Gefühle sich der Vernunft entziehen und der Körper zu zittern beginnt, dann merkt man, dass Literatur mehr sein kann als nur Buchstaben auf Papier. Wer bereit ist, von einem Buch aufgewühlt, beunruhigt und beschäftigt zu werden, der muss Kafkas Der Process lesen. Es ist eine Wucht.

Friedrich Nietzsche – Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne
Wie ein Freund von mir einmal sagte, muss man bei jeder Nietzsche-Lektüre immer jemanden um sich haben, nur um nach jeder zweiten Zeile mit geöffnetem Mund aufzuschauen und zu stammeln: «Das hat er jetzt aber nicht gesagt!» Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne ist ein Büchlein bzw. ein Aufsatz über Sprache, Konsens und Individualität. Es hat meine Perspektive nachhaltig verändert. Und deine wird es ebenfalls.

Michel de Montaigne – Die Essais
Ich hab schon viel von Montaigne geschrieben und geschwärmt. Die Essais sind meiner Meinung nach eines der eindrücklichsten, zugänglichsten und unbeschwertesten Zeugnisse der Geschichte des Denkens und Schreibens. 1580 veröffentlicht, hat die Sammlung auch heute ihre Aktualität (und ihren Humor) nicht verloren. Die verlinkte Version ist eine Auswahl der Essais in der tollen Übersetzung von Hans Stilett.

Scott McCloud – Understanding Comics
McClouds Comic ist ein Comic über Comics. Aber nicht nur. Hinter den Zeichnungen und Sprechblasen versteckt sich der faszinierendste theoretische Zugang zur visuellen Wahrnehmung, zu Storytelling und der Wirkung von Bildern und Sprache, den ich kenne. Die (mit Abstand) grösste Überraschung des Jahres!

Anne Lammot – Bird by Bird
«Some Instructions on Writing and Life» heisst der Untertitel des Buches. Überraschenderweise trifft das ziemlich gut auf den Inhalt zu. Es handelt von Text, von Plots und Charakteren, doch vor allem geht es um Selbstzweifel, Schmerz, Kreativität und die Ausdrucksform des Schreibens im Kreuzfeuer von Gefühl, Schicksal und Realität. Wunderbar geschrieben, witzig und wertvoll. Ich habe Bird by Bird in zwei Anläufen durchgelesen.

William Shakespeare – Hamlet
Manchmal lohnt es sich, von der Quelle zu trinken, an den Ursprung zurückzukehren. Klassiker sind in der Regel nicht ohne Grund Klassiker. Hamlet ist ein Beispiel dafür. Es hat mich nicht nur grossartig unterhalten, sondern auch so viele geflügelte Wörter und kulturelle Referenzen vor Augen geführt, die ich zwar kannte aber bisher nicht verstand.

Seth Godin – The Dip
Ein kurzes Buch übers Aufhören. Klingt komisch. Aber es wird dir in unzähligen Situation Zeit, Geld und Frust ersparen. The Dip ist für mich ein Werkzeug, dass ich – mindestens als Konzept und Bezeichnung – immer mit mir mittrage, das meine Entscheidungen formt, mich bestärkt oder hinterfragt und verändert hat.

[Hörbuch] Carlo Rovelli – The Order of Time
Manchmal hört sich Wissenschaft so an, als sei sie Magie. Wer sich darauf einlässt, dass den eigenen Glaubenssätze den Boden entzogen wird und sich Risse in der Textur der Realität auftun, der erlebt Wunderbares. Umso mehr, wenn einem das Ganze von Benedict Cumberbatch ins Ohr geflüstert wird ; )

[Hörbuch] Stephen Fry – Mythos
Stephen Frys Wiederbelebung der griechischen Mythen ist eine Schatztruhe an Motivischem und Symbolischem, an Archetypen und Schemata, wie wir sie heute immer und überall antreffen. Ausserdem wird man sich kaum ein Kapitel anhören können, ohne laut zu lachen. Vom Autor selbst exzellent vorgetragen, wahnsinnig unterhaltsam und reichhaltig – Märchenstunden vom Feinsten!

[Hörbuch] Sam Harris – Lying
Kurz, knapp, pragmatisch. Ein Augenöffner, Nackenklatscher, Schlag in die Magengrube (oder wie man das auch immer nennen möchte). Was man hier in einer Stunde hört, das hat das Potential, viele weitere Stunden des Lebens zu verändern. Man muss dazu nicht einmal mit allem einverstanden sein, was Sam Harris schreibt bzw. vorliest. Ich habe es mir 5 Mal angehört. Und noch viel öfter darüber nachgedacht.


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Bild: Explorer from The World: Round It and Over It (1881) publiziert von Chester Glass – Quelle.